Work-Life-Balance 

Veröffentlicht von Polki w Berlinie e. V. am

Work-Life-Balance  – Wege zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Wie finde ich Erfüllung und Ausgewogenheit im Privatleben und im Beruf?2019

Seit vielen Jahren wird das Work-Life-Balance zu einem der wichtigsten Themen in den Zeitschriften, Wissenschaft und Talk-Shows. Work-Life-Balance bedeutet die Kunst eine Ausgewogenheit zwischen verschiedenen Lebensbereichen zu finden und zu halten.

Vor allen Frauen, die sich für die Mutterschaft entscheiden, stehen gerade in der schnelllebigen Zeit wie heute vor enormen Herausforderungen. Längst betrifft die Burn-out-, Stress- und Erschöpfungswelle nicht nur die stark engagierten Vollblutmanager/innen oder stark  karriereorientierte Menschen, sondern auch Frauen, die sich neben der Arbeit und Fortbildung noch um die Kinder oder andere Familienangehörige kümmern müssen. Im Fall vom Frauen mit Migrantionsgeschichte tritt häufig noch die Notwendigkeit der beruflichen Neuorientierung aufgrund der Neubewertung der eigenen Prioritäten, Interessen  und Ambitionen hinzu.

Damit der mit der Bewältigung aller dieser Herausforderungen einhergehende Stress reduziert werden kann und weder besorgniserregende Erschöpfungs- noch Depressionszustände auftreten können, ist Kenntnis der eigenen Stärken, Lebensprioritäten und Werten sinnvoll, um trotz Umbrüche und Veränderungen fokussiert zu bleiben.

Hier einige Tipps, die sich im Rahmen des Workshops zum Thema der Kunst des erfüllten und ausbalancierten Lebens als besonders sinnvoll und hilfreich herausgestellt haben.

1. Wertschätzende Betrachtung der eigenen Biographie im Kontext der Migration

Bevor wir die Pläne für unsere Zukunft schmieden, die eine Ausgewogenheit zwischen verschiedenen Zielen und verschiedenen Lebensbereichen ermöglichen, ist es ratsam und sinnvoll, zunächst wertschätzend auf die eigene Vergangenheit und das bisherige Leben zu schauen.

Ich empfehle dir hierzu eine schöne Übung zu machen, indem du auf einem Blatt Papier einen verzweigten Baum als Symbol deines Lebens, deiner Wurzel, deines Weges und deiner Entwicklung zeichnest. Es gibt Menschen, die statt eines Lebensbaums lieber einen durch die Landschaft ziehenden (Lebens-)Fluss zeichnen. Schaue, was für dich stimmiger ist.

Übung: Mein Lebensbaum

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(Bilder-Quelle: www.pinterest.com)

  • Trage auf dieser Zeichnung die wichtigsten Stationen deinen Lebens ein und notiere die     Ereignisse ein, die dir spontan in Erinnerung kommen. Zeichne bitte deinen Lebenslauf aber nicht auf die Art und Weise nach, wie du dies während der formalen Bewerbung um eine Arbeitsstelle tust. Trage wirklich nur die Ereignisse ein, sei es beruflich, privat oder sozial, die für dich persönlich wirklich von Bedeutung waren.

Nachdem du die wichtigsten Ereignisse eingetragen hast, überlege kurz, welche 3-5 Menschen dich im Leben am meisten geprägten haben, sei es als Vorbilder aus dem Familien- und Bekanntenkreis oder als von dir bewunderten öffentlichen Personen? Notiere, welche Eigenschaften diese Personen, die du bewundert hast, hatten. Welche Charakterzüge, Denkmuster oder Verhaltensweisen hast du von ihnen bewusst der unbewusst übernommen? Oder trage ein, welche Lehren du von diesen Menschen erhalten hast.

Nun hast du im letzten Schritt dieser kleinen Übung die Zeit, dir deiner Interessen, Hobbys oder besonderen Neigungen und Talente bewusst zu werden – dieser, die du realisiert und denen du nachgegangen bist, aber auch derer, die in Vergessenheit geraten sind und sich nun unerfüllt wieder zu Wort melden. Notiere alles, was bis heute noch eine starke Resonanz und eine positive Empfindung in dir hervorruft.

Nachdem du deinen Lebensbaum mit all den Ereignissen, Vorbildern, Prägungen sowie Talenten und Interessen beschriftet hast, kannst du nun das vollständige Bild betrachten und auf dich wirken lassen. Notiere dir kurz die Gedanken, Bilder und die Gefühle, die im Zusammenhang mit dieser Übung auftauchen.

Diese Übung ist sehr wertvoll, weil sie dich dabei unterstützt, deine Vergangenheit im Heimatland und im neuen Lebensmittelpunkt wertschätzend zu bilanzieren und als Ausgangspunkt für weitere Zukunftsplanung zu nehmen.

2. Analyse der aktuellen Lebenssituation mithilfe eines Work-Life-Balance-Modells

Nun kannst du auf dein aktuelles Leben schauen und dir eine Frage stellen: Wo bin ich jetzt? Was hat die Migration nach Deutschland oder Familiengründung oder erste beruflichen Erfahrungen in deinem Leben verändert?

Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Lebensverläufe der Menschen auch ohne einen Umzug ins Ausland von vielen Veränderungen begleitet werden. Weder beruflich noch privat gibt es feste Verläufe und dennoch weist das Leben bestimmte Zyklen von Höhen, Tiefen und Kehrwenden auf. So kann es Phasen des Lernens, der Bildung, des Welterkundens, der Familiengründung, der Neuorientierung, der Umzüge, der Sinnsuche oder die Phasen der großen gesellschaftlichen oder politischen Umwälzungen von unterschiedlicher Länge geben. So passiert es häufig, dass Frauen gerade nach der Erziehungsphase nach völlig neuen Chancen suchen oder inmitten ihres Lebens einen völlig neuen Beruf ergreifen, sich weiterbilden oder eine eigene Firma gründen. Jedes menschliche Leben ist somit einmalig und unvergleichbar.

Nachdem du in der ersten Übung  deine Vergangenheit gewürdigt hast, macht nun einen Sinn die aktuelle Lebenssituation in all seiner Komplexität einer Bilanz zu unterziehen. Hierzu lohnt es sich, die verschiedenen Lebensbereiche einzeln zu betrachten.  Ich empfehle hierzu eine Vierteilung der Lebensbereiche, wie dies J. Seiwert in seinem Work-Life-Balance-Modell (WLB-Modell) in seinem Buch „Wenn du es eilig hast, gehe langsam: Mehr Zeit in einer beschleunigten Welt“  vorgeschlagen hat: Arbeit, Beziehungen, Gesundheit und Sinn.

Übung 2 – in Anlehnung an das WLB-Modell (Seiwert)

Nimmt dir nun kurz Zeit und beantworte für jeden der vier genannten Lebensbereiche folgende Fragen:

  • Was bedeutet das jeweilige Bereich für dich, d.h. was verstehst du persönlich darunter? Für den einen kann z.B. Lebensbereich Arbeit v.a. Erfolg, Karriere bedeuten, für jemand anderen einen Traumberuf auszuüben bzw. einer Berufung nachzugehen.
  • Was gibt dir den jeweiligen Lebensbereichen Befriedigung, Erfüllung und Energie?
  • Was wiederum raubt dir die Energie und wovon solltest du dich am liebsten lös

 

Nachdem du mit dieser Übung fertig bist, nehme dir noch ein bisschen Zeit und lass die ausgefüllte Übungstabelle auf dich wirken. Welchen Aspekten deines Lebens möchtest du in der Zukunft viel mehr Gewicht geben? Wovon soll  du dich trennen, lösen oder zumindest einschränken? Nimm die Gedanken und die Gefühle, die auftauchen, einfach wahr und notiere das, was dir im Augenblick als wichtig erscheint.

3. Eine kurze Reise in die Zukunft – für das, was wirklich zählt

Es gibt eine wunderschöne Coaching-Übung, die sich sehr dazu eignet, kurz in die Zukunft zu schauen, um aus dieser Zukunftsperspektive wieder das aktuelle Leben zu blicken. Eine kleine Phantasiereise in die eigene Zukunft hilft uns zu sehen, was wirklich wichtig ist und erleichtert das Treffen von wirklich wichtigen Lebensentscheidungen, ob nun Familiengründung, -vergrößerung, Jobwechsel, berufliche Umorientierung usw.

Übung 3: Mein 75. Geburtstag

Stelle dir nun deinen 75. Geburtstag vor. Schließe dabei die Augen und lasse die inneren Bilder vorbeiziehen. Wer ist an deinem 75. Geburtstag anwesend? Auf wen freust du dich ganz besonders und wer ist dir wirklich wichtig? Was erzählt ein Familienangehöriger über dich und dein Leben in einem Laudatio? Wie erinnert sich deine beste Freundin oder Arbeitskollegin an dich und dein bisheriges Leben? Was macht es mit dir, diese Worte der nahen Personen zu hören?

(Eine volle Version dieser Übung findest Du im Buch von Covey, das Buch das ich dir ebenfalls sehr bei der Suche nach der Ausgewogenheit im eigenen Leben empfehle.)

Nun kannst du aus dieser Zukunftsreise zurückkehren und wieder kurz nachspüren, was du jetzt fühlst. Vielleicht möchtest du dir auf dem Blatt Paper, auf dem du bisherige Übungsnotizen gemacht hast, etwas hinzufügen?

Wofür möchte ich ab jetzt leben? Was ist mir wirklich, aber wirklich wichtig?

Auf Basis der gewürdigten und wertgeschätzten Vergangenheit, der Bilanz der aktuellen Ist-Situation in verschiedenen Lebensbereichen und eines phantasievollen Hineingleitens in eine weite Zukunft können nun im nächsten Schritt sinnvolle Ziele entwickelt und erste kleinen Schritte hin zu deren Erreichung geplant werden.

Ich hoffe dir mit diesem kleinen Beitrag einige wertvolle Anregungen und Impulse für die Gestaltung eines ausgewogenen und erfüllten Lebens gegeben zu haben. Für die Vertiefung des Themas der Gestaltung der Lebensbalance und eines sinnerfüllten Lebens empfehle ich zwei meiner Lieblingslektüren aus meiner eigenen Phase der großen Umgestaltung Lebens:

Lothar J. Seiwert (2005): Wenn du es eilig hast, gehe langsam: Mehr Zeit in einer beschleunigten Welt, Campus Verlag; Auflage: 16 (16. August 2012)

Stephen R. Covey: Die 7 Wege zur Effektivität. GABAL-Verlag, 39. Auflage (1. Januar 2005)

Autorin: Violetta Anders

 

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Kategorien: AktuellesINTERVIEWS

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