Ich, das heiß wer? Wer ich bin und wie kann ich dies der Welt kommunizieren?

Ergibt die Definition des eigenen „Ichs“ und die Antwort auf die Fragen: „Wer ich bin?“ und „Wer möchte ich sein?“ einen Sinn?

Grundsätzlich vielleicht nicht. Denn selbst wenn uns diese Frage gestellt wird, so können wir in einer vielfältigen Umfeld mit der kulturellen Überzeugung vom Schutz der Privatsphäre über uns erzählen, was wir wollen. Wir können über uns auch gar nichts sagen oder können einfach eine Unwahrheit erzählen.

Doch warum ist es dennoch lohnend, sich diese Fragen zu stellen und nach den Antworten zu suchen?

„Ich“, das heißt wer?

Der Versuch uns diese Fragen zu stellen ist zugleich der Moment der Analyse der aktuellen Lebenssituation und viel wichtiger, es ist die Frage nach uns selbst. Wenn wir voll unbewusster bzw. noch nicht genannter Wünsche, Ängste, Glaubenssätze, Antriebskräfte sind, wissen wir dann wer wir sind?

Der Schlüssel zu einer besseren Selbsterkenntnis und zum besseren Selbstausdruck ist die Selbstbestimmung des eigenen „Ich“ und seine effektive Kommunikation. Es ist die Basis für das Gespräch, das wir in zwei Gegenpolen führen sollen: im unseren Inneren und im Außen. Beides fällt uns nicht leicht und erfordert einer gewissen Bemühung, um effektiv zu sein. Wo sollen wir nun anfangen?

1. Die innere Kommunikation mit sich selbst

Gemäß dem Prinzip von Innen nach Außen bestimmen wir im Hier und Jetzt auf welche Art und Weise wir mit uns selbst kommunizieren möchten. Wie sollen wir das machen?

Überlege dir, wann du dir das letzte Mal die Frage gestellt hast: Was wünsche ich mir? Welche tieferen Ursachen stehen den Emotionen wie Wut oder Frustration zugrunde? Was treibt mich an und warum? Wenn ich ein Glück empfinde, weiß ich dann genau welche Situation, welche Worte dies verursacht haben? Diese Fragen kannst du in Bezug auf verschiedene Lebensbereiche stellen.

Zunächst kannst du untersuchen, ob du bei der Kommunikation mit dir selbst folgende Regeln befolgst:

1. Ich behandle mich selbst mit Respekt

2. Ich bin offen und sehr verständnisvoll mir selbst gegenüber

3. Ich beurteile nicht und kritisiere nicht, was ich fühle, wie ich gehandelt habe und wie ich handle

Ein weiterer Aspekt der Bestimmung des eigenen „Ichs“ ist das Bewusstsein über die inneren Glaubenssätze und Gedanken, sog. Glaubensmuster, denn sie beeinflussen direkt die Art, wie wir reagieren und kommunizieren. Die Selbsterkenntnis und Selbstbewusstsein stellen somit den Schlüsselpunkt in diesem Prozess dar. Es lohnt sich, sich dessen bewusst zu werden, dass unsere Wahrnehmung und Verstehen der Welt immer ein Konstrukt ist – eine Konklusion oder Interpretation der Welt. Unsere Bewertungen, die uns selbst, andere Menschen oder Situationen betreffen und sogar die Wahrnehmung der physischen Welt basieren auf dem bereits vorhandenen Wissen und auf den verborgenen kognitiven Prozessen. Dies ist also kein direktes Abbild der Wirklichkeit.

Was bedeutet das für uns?

Die Bewusstwerdung von eigenen Glaubensmustern und die Öffnung auf neue Erkenntnisse bezüglich sich selbst und der Welt ermöglichen eine tiefere Selbsterkenntnis und eine Veränderung der störenden Glaubensmuster. Und die Veränderung der negativen Glaubenssätze in positive stellt wiederum die Basis für die Projektion von positiven Erfahrungen und Emotionen.

Es ist sehr hilfreich das Wissen über sich selbst zu strukturieren. Dazu soll folgende Übung eine Hilfe leisten.

Die Übung:

Zeichne bitte zunächst die untere Tabelle gemäß dem Muster nach und fülle dann die einzelnen Felder aus. Nach dem du einzelne Spalten vollständig ausgefüllt hast, wähle bitte die Wörter aus, die dich am meisten beschreiben und die für dich am wichtigsten sind.

Qualifikation Beruf Fähigkeiten

Werte Glaubenssätze

Nahe Personen Emotionen

Leidenschaften Wünsche

Nun kannst du entsprechend dem Satzmuster unten die Sätze über dich selbst ergänzen:

Ich bin ……………………………..

Das wichtigste für mich ist …………………………………………..

2. Die Kommunikation des eigenen „Ichs“ nach Außen

Im Hinblick auf die Kommunikation von Innen nach Außen ist es von Bedeutung einige Schlüsselinformationen bezüglich der Kommunikation kennen zu lernen und sich derer immer wieder bewusst zu werden.

Kommunikation ist nicht das, was du sendest und sie ist auch nicht das was du sagst, sondern das, was beim Empfänger ankommt und was er verstanden hat.

Im Folgenden beschreibe ich einige Schlüsselinformationen, die für einen besseren Ausdruck des eigenen Ichs wesentlich sind.

a. Verwende ICH-Botschaften

Beispiel für eine
DU-Botschaft:
Beispiel für eine ICH-Botschaft:
Du schreist mich schon wieder an! Es ärgert mich, wenn du die Stimme erhebst. Es tut mir leid, aber ich möchte so ein Gespräch nicht
fortsetzen.

2. Während eines für dich wichtigen Gesprächs lohnt sich Folgendes zu bedenken:

Bestimme das Ziel des Gesprächs.
Plane es, bestimme Zeit und Ort ein.
Wähle das entsprechende Vokabular, verständlich für den
Gesprächspartner.
Kontrolliere eigene Emotionen während des Redens.
Nimm aufmerksam die Emotionen und Reaktionen des Zuhörers wahr.
Vergewissere dich inwiefern dir zugehört wird.
Sorge dafür, dass du während des Gesprächsführens entspannt bist.
Beachte die Körpersprache deines Gesprächspartners.
Während du sprichst, schaue deinem Gegenüber in die Augen.
Rede deutlich, verständlich, klar, nicht zu laut und nicht zu schnell.
Betonne das, was dir in der Aussage am wichtigsten ist .
Verwende Ausdrücke, die dem Gesprächspartner bekannt sind.
Verwende Konkrete, vermeide abstrakte Redewendungen.
Halte dich an die Kernaussage deiner Äußerung.
Benutze keine langen Sätze.
Verwende in einer Aussage kein Übermaß an Bezeichnungen und
Ausdrücken.
Fasse Aussagen zusammen, um sicher zu sein, dass dich der Zuhörer
richtig verstanden hat.
Verwende offene Fragen, um viel zu erfahren und um dich zu
vergewissern, dass du richtig verstanden wurdest.
Sei dir deiner eigenen Körpersprache bewusst.

Die Fehler, die uns häufig in der Kommunikation unterlaufen, erschweren das richtige Verstehen unserer Kernbotschaft durch den Empfänger. Überlege dir daher, an welchen Kommunikationsaspekten es für dich sinnvoll wäre, noch etwas zu arbeiten, um sich selbst effektiver auszudrücken und kommunizieren zu können.

Mängel in der Kommunikations-
fähigkeit
+Eine chaotische Aussage
+Viele Stränge gleichzeitig
+Schwatzhaftigkeit (was möchtest du
wirklich aussagen?)
+Aufmerksamkeitsfokus auf sich selbst
+Unglaubwürdigkeit als
Gesprächspartner
+Langweilen
+Subjektivismus (Intention was du
wirklich sagen möchtest)
+Verallgemeinerungen
+Übertreibungen
+Falsches Gesprächscode (bezogen auf
Inhalt oder Person)
+Häufiges Themenwechsel
+Mehrdeutigkeiten
Mangel an Fähigkeit Zuzuhören +Automatisches Nicken
+Erahnen (Lesen in Gedanken,
Bewertung)
+Filtern
+Erteilen von Ratschlägen
+Wiederspruch
+Lenkung des Gesprächs in eine andere Richtung
Negative Haltungen +Mangelnde Durchsetzungsfähigkeit
+Aggression oder Passivität
+Fehlendes Vertrauen, Misstrauen
+Entscheidung für andere
+Drohung
+Ratschläge, Moralisieren, Befehlen
+Kommunikationshemmnis/-unlust
+Angst vor Ablehnung
+Vorurteile
+Schlechte frühere Erfahrungen
+Beschuldigung, Du-Botschaften
Suboptimale nonverbales Verhalten +Mangel an Augenkontakt
+Überschreitung pers. Grenzen
+Schlechter erster Eindruck
+Falsche Ton, Tempo, Rhythmus,
Stimmlage
+Fehlende Übereinstimmung
zwischen den verbalen und
nonverbalen Botschaften
Problem mit dem Ausdruck und Empfangen von Emotionen +Fehlende Dezentralisierung
+Fehlen an Empathie
+Verstecken von Emotionen
Erschwerte Wahrnehmung +Unterschiedliches Wissens-
und Erfahrungsniveau

Das Selbstbewusstsein und die Kommunikationsfähigkeit stellen eine Basis für die Gestaltung von dauerhaften und guten zwischenmenschlichen Beziehungen dar, für die Umsetzung von effektiven Handlungen und generell für eine vollständige und ganzheitliche Erfassung und Erfahrung des Lebens und der Welt.

Ich wünsche dir eine positive Projektion deines Ichs.

Autorin: Patrycja Zajac

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