Gesundheitsvorsorge als Schlüsselelement in der beruflichen und persönlichen Entwicklung von Frauen. Rechte und Möglichkeiten

In den über 20 Jahren meiner Tätigkeit im deutschen System der gesetzlichen Krankenversicherung gab es einen Satz, den ich immer wieder von den Versicherten zu hören bekam, wenn es um die Beratung zu den Krankenkassenleistungen geht: „Wozu brauche ich eine Krankenkasse? Ich bin doch gesund“.

Wir leben in der Überzeugung, dass wir uns erst dann um die eigene Gesundheit Gedanken machen sollen, wenn wir krank werden. Das Gesundheitssystem in Deutschland versucht dem entgegen zu wirken und weitet die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zur Prävention immer weiter aus. Zusätzlich werden immer stärkere Anreize geschaffen, um die Versicherten zu einer aktiven und gesunden Lebensweise zu bewegen.

Die Krankenkassen nutzen das Thema Prävention, um ihr eigenes Profil zu schärfen und den Versicherten ihre Leistungsstärke zu demonstrieren. Kaum ein Besuch bei der Krankenkasse im Zusammenhang mit einer Leistungs- oder Versicherungsangelegenheit erfolgt daher ohne, dass ein/e Krankenkassenmitarbeiter/in im Laufe des Gesprächs die Kunden über Zusatzleistungen zur Prävention informiert. Zusätzlich werden Angebote gemacht und Informationen über die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern auch am Arbeitsplatz gegeben.

Die Prävention bedeutet jedoch deutlich mehr als nur ein Angebot für Gesundheitsbewusste.

Durch langjährige Studien und Erfahrungen wurde die Rolle der Gesundheitsvorsorge als eines Schlüsselfaktors für die positive Gesellschaftsentwicklung bestätigt und es wird jetzt in der Bevölkerung konsequent dafür beworben.

Frei nach dem Motto „mens sana in corpore sano“ – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.

Neben dem sozialgesellschaftlichen Aspekt gewinnt das Thema Prävention auch in der Wirtschaft immer mehr an Bedeutung. In den Zeiten, in denen gut ausgebildete und erfahrene Arbeitskräfte von den Unternehmen verstärkt nachgefragt werden, ist die längere Erhaltung der Arbeitskraft und der Produktivität zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Faktor geworden.

Ohne gesunde Bevölkerung kann es keine gesunde Wirtschaft geben.

Das haben sowohl die Unternehmen als auch die Bundesregierung erkannt und widmen deshalb diesem Thema immer mehr Interesse. Es werden gesetzliche Regelungen entsprechend angepasst und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um der gesundheitlichen Prävention Vorfahrt zu geben.

Den Versicherten stehen zahlreiche Angeboten und Möglichkeiten zur Verfügung, um für die eigene Gesundheit zu sorgen und dadurch auch konkurrenzfähiger auf dem Arbeitsmarkt zu sein.

Um die Karriereleiter aufsteigen zu können, muss man fit und gesund bleiben. Frau auch.

Insbesondere für Frauen und speziell für Migrantinnen ist die Gesundheit ein wichtiges Gut, was gepflegt und gehegt werden soll, vor allem wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Gerade die Kindererziehung erschwert oft die eigene Weiterbildung und damit den beruflichen Neustart. Dabei ist es wichtig, sowohl für das körperliche als auch für das psychische Wohlbefinden zu sorgen. Immer mehr Menschen müssen leider selbst erfahren, was „Burn Out“ bedeutet. Es ist nicht mehr eine „Modeerkrankung von Managern“, sondern ein großes gesellschaftliches Problem, das nahezu alle Berufsgruppen betrifft.

Um diesen Problemen entgegenzuwirken, hat der Gesetzgeber vier Handlungsfelder festgelegt, die sich als Hauptrichtungen der gesetzlichen Prävention definieren lassen: Bewegung, Ernährung, Stressreduktion und Suchtmittelreduktion.

Unter diesen Hauptbegriffen lassen sich einzelne Maßnahmen und Angebote finden.

Ob es durch den ärztlichen Rat oder aus eigener Initiative erfolgt – der beste Weg, um sich über die Möglichkeiten der Vorsorge beraten zu lassen, ist ein Anruf oder ein persönlicher Besuch bei unserer Krankenkasse.

Die Krankenkassen haben den marketingstrategischen Nutzen von Zusatzleistungen im Zusammenhang mit der Prävention schon längst erkannt und schulen dementsprechend Ihre Kundenberater/innen. Es ist ein Zeichen der Qualität einer Krankenkasse geworden, wie weitläufig das Angebot an Vorsorgemaßnahmen ist und wie gut die Mitarbeiter/innen über das Angebot beraten können.

In Bezug auf die Durchführungsart lassen sich die Maßnahmen folgendermaßen unterteilen:

Gesundheitskurse

In der Regel handelt es sich hier um Gruppenmaßnahmen mit ca. 10 Terminen, die inhaltlich einem der vier Handlungsfelder zugeordnet sind und von zertifizierten privaten Anbietern/innen angeboten werden. Es ist zwar keine ärztliche Verordnung dafür nötig aber es wird eine vorhergehende Beratung durch den Arzt empfohlen, die zur Feststellung dient, ob der Kunde gesundheitlich in der Lage ist, den Kurs zu belegen. Die Gebühren werden in den meisten Fällen zunächst von dem Kunden bezahlt. Die Krankenkasse erstattet die Kosten nach Abschluss des Kurses abhängig von den jeweiligen Satzungsregelungen. Da es hier zu großen Unterschieden bei den einzelnen Krankenkassen kommen kann und sich die Regelungen verändern können, ist es sehr ratsam, sich vor der Teilnahme an einem Gesundheitskurs, über die Kostenübernahme durch die Krankenkasse zu informieren, auch wenn es in vielen Fällen nicht notwendig ist.

Gesundheitsreisen

Die meisten Krankenkassen unterstützen finanziell ihre Kunden bei kurzen Urlaubsreisen, die ein Program zur gesundheitlichen Vorsorge beinhalten. Sehr beliebt sind z.B. die Aktivwoche (7 Tage) oder WellAktiv (4 Tage). Die Bezuschussung ist von der Teilnahme an dem Program abhängig und muss vorher bei der Krankenkasse genehmigt werden. Es handelt sich hier jedoch um eine Überprüfung des grundsätzlichen Leistungsanspruchs und Bestätigung an den Leistungserbringer. Medizinische Voraussetzungen werden nicht geprüft. Auch hier gibt es große Unterschiede im Leistungsumfang. Manche Krankenkassen bieten keine Zuschüsse oder nur in einem kleinen Umfang an.

Einige Maßnahmen zur gesundheitlichen Prävention werden über die Arbeitgeber am Arbeitsplatz durchgeführt und auch von ihnen mitfinanziert. Das Angebot reicht von Informationsveranstaltungen (Gesundheitstage) in der Firma über kleine Schnupperkurse bis hin zu Langzeitprogrammen.

Zusätzlich bieten die Krankenkassen eine Fülle von Zuschüssen und Rabatten bei ausgewählten Vertragspartnern an. Ob es sich um einen Fitnessclub, einen Sportverein oder einen anderen Anbieter mit gesundheitsfördernden und sportlichen Freizeitangeboten handelt, findet jede/r etwas für sich, was Spaß macht und der eigenen Gesundheit dient.

Die Krankenkassen bieten also auch eine ganze Menge für gesunde Menschen an.

Ein weiteres Feld in der gesundheitlichen Prävention sind die Vorsorgeuntersuchungen.

Hier hat der Gesetzgeber eine Reihe von Untersuchungen festgelegt, die als Früherkennung zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen wurden und von jeder Krankenkasse zu tragen sind. Auf der Grundlage von verschiedenen Langzeitstudien und neuen Erkenntnissen wird dieses Angebot immer weiter ausgedehnt und gehört zu den großen Errungenschaften des deutschen Gesundheitssystems. Die Informationen über die gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen und die empfohlenen Alterszeiträume, in denen sie durchgeführt werden sollten, erhalten die Kunden beim Hausarzt oder bei dem/der Kundenberater/in der jeweiligen Krankenkasse. Die Teilnahme an diesen Vorsorgeuntersuchungen wird von den meisten Krankenkassen in Form von Bonusprogrammen belohnt. Als Motivation dienen dabei sowohl Sachpreise und Prämien als auch direkte Geldleistungen.

Zudem bieten die Krankenkassen ihren Kunden weitere satzungsgemäße Zusatzleistungen an. So bezuschussen z.B. einige Krankenkassen im Rahmen der Zahnvorsorge die professionelle Zahnreinigung (PZR) oder übernehmen die Kosten für ein innovatives Programm zur Brustkrebsvorsorgeuntersuchung (Discovering Hands).

Ähnlich wie bei der Früherkennung gibt es bei dem Thema Impfschutz einen gesetzlich festgelegten Impfkalender, der anhand der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erstellt wird. Außerdem bieten die Krankenkassen Zusatzleistungen an, die sie selbst festlegen. Insbesondere bei den Auslandsschutzimpfungen sowie bei Kinderschutzimpfungen stellen die Krankenkassen ein erweitertes Leistungsangebot zur Verfügung.

Da sich der Umfang der Zusatzangebote stets verändert, ist die Nachfrage bei der eigenen Krankenkasse leider oft unumgänglich. Doch wer gut informiert ist, kann sein Wahlrecht nutzen und sich die Krankenkasse nach dem eigenen Bedarf auswählen.

Ein letztes Leistungsfeld, welches zur Gesundheitsvorsorge zählt und im §20 SGB V, dem sog. „Präventionsparagraphen“ seine Regelungen findet, bezieht sich auf die ambulanten und stationären Vorsorgemaßnahmen. Am meisten bekannt sind dabei die ambulanten Vorsorgekuren, die oft mit Rehabilitationskuren verwechselt werden. Das kommt aber nicht von ungefähr, da die Vorsorgekuren im Hinblick auf das Genehmigungsverfahren zum Gesundheitszustand für die Leien die Merkmale einer Rehabilitationskur haben. Und tatsächlich stellt diese Maßnahme ein Bindeglied zwischen der reinen Gesundheitsvorsorge und der medizinischen bzw. rehabilitativen Behandlung dar.

Ein Anspruch besteht grundsätzlich alle 3 Jahre und bezieht sich auf Maßnahmen, die mindestens zwei Wochen dauern und eine medizinische Notwendigkeit voraussetzen. Diese wird von dem behandelnden Arzt mit einem Attest bestätigt, welches zusammen mit einem entsprechenden Antrag zur Genehmigung bei der Krankenkasse vorgelegt wird. Bei einer Genehmigung zahlt die Krankenkasse für selbst erbrachte Übernachtungs- und Verpflegungskosten einen Zuschuss von 13,00€ pro Tag und übernimmt die Behandlungskosten im Rahmen der gesetzlichen Regelungen.

Bei chronisch kranken Kindern kann der Zuschuss bis zu 21,00€ erhöht werden.

Eine weitere Besonderheit der ambulanten Vorsorgekuren besteht darin, dass sie im Gegenteil zu den Rehabilitationskuren von den Krankenkassen auch für Behandlungen im Ausland genehmigt werden. Eine vorhergehende Beratung bei der Krankenkasse ist jedoch auf jeden Fall zu empfehlen.

Bei der Beschreibung von Leistungen zur Prävention besteht die größte Schwierigkeit darin, die Details genauer zu erläutern und über explizite Verfahrensweisen zu informieren. Kaum ein Leistungsfeld der gesetzlichen Krankenversicherung wird von den einzelnen Leistungsträgern so unterschiedlich gehandhabt und unterliegt so oft Veränderungen. Es ist mir dabei erneut bewusst geworden, wie wichtig die persönliche Beratung bei dem Thema Krankenversicherung ist. Die Krankenkassen haben das erkannt und bieten es ihren Kunden verstärkt an. Einige haben auch erkannt, dass nicht alle Kunden die deutsche Sprache entsprechend gut beherrschen und deshalb immer öfter eine Beratung in verschiedenen Sprachen anbieten. Ein Vergleich dazu lohnt sich auf jeden Fall.

Meine Empfehlung als Experte kann daher kaum banaler ausfallen, wird jedoch noch auf lange Sicht Bestand haben. Besuchen Sie Ihre Krankenkasse oder rufen Sie dort an und fragen Sie die Kundenberater/innen: „Was bietet meine Krankenkasse zum Thema Prävention an?

Autor:

Peter Nowak

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